Beschaffungsmanagement
Beschaffungsmanagement

Nachhaltiges Beschaffungsmanagement

Auch im Einkauf setzt Bayer sein ­Bekenntnis zur Schonung der Umwelt, zum Schutz der Menschenrechte, zu ­fairen Arbeitsbedingungen und zur weltweiten Korruptionsbekämpfung ­aktiv um. Durch den Aufbau eines nachhaltigen Beschaffungsmanagements möchte Bayer seinen Einfluss als Einkäufer verantwortungsvoll ausüben und Nachhaltigkeitsrisiken vermeiden.
Dr. Udo Murek, Sprecher der konzernweiten Beschaffung bei der Bayer AG
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Dr. Udo Murek, Sprecher der konzernweiten Beschaffung bei der Bayer AG "Ein nachhaltiges Lieferanten­management ist nicht nur Garant unserer hohen Qualitätsansprüche, sondern auch aktives Risiko­management."
Im vergangenen Jahr hat der Bayer-Konzern Waren und Dienstleistungen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro von mehr als 40.000 Lieferanten bezogen. Diese Zahlen machen deutlich, dass das Einkaufsvolumen des Unternehmens in vielen Regionen einen beträchtlichen Entwicklungsfaktor darstellt. „Wir wollen ein verlässlicher Partner sein und unseren Einfluss gesellschaftlich verantwortlich ausüben“, erläutert Dr. Udo Murek, Sprecher der konzernweiten Beschaffung bei Bayer, die Position des Konzerns. „Eine notwendige Voraussetzung dazu ist Transparenz bei allen Geschäftsprozessen. Nur so sind ein nachhaltiges Beschaffungsmanagement und ein aktives Risikomanagement möglich.“ 2003 hat Bayer mit seinem „Supplier Relationship Management Konzept“ (supreme) die Basis dafür geschaffen, ökologische und soziale Aspekte systematisch in die Beschaffung zu integrieren.

Steuerung des Einkaufs
Die Zuständigkeit für den Einkauf liegt im Bayer-Konzern bei den operativen Teilkonzernen und Servicegesellschaften. Zwei Gremien auf Konzernebene, das „Coordination Board Procurement“ (CBP), unter der Leitung des für Procurement zuständigen Konzernvorstandsmitglieds Klaus Kühn, und die Runde der Einkaufsleiter (Community Council Procurement, CCP), gewährleisten eine enge Koordination. Ihnen obliegt auch die weltweite Steuerung und Weiterentwicklung des Einkaufs bei Bayer. Das Coordination Board Procurement und die Runde der Einkaufsleiter stimmen sich in allen Nachhaltigkeitsfragen eng mit der konzernweiten „Sustainable Development Planning Group“ ab. Auf diese Weise soll sichergestellt sein, dass der Einkauf mit der Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns im Einklang steht.

Klare Richtlinien für alle

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Bayer-Mitarbeiter Guan Lian Jun und Huang Wei von der Firma Vopak (von links) ­kontrollieren die Lieferpapiere im Shanghai Chemical Industry Park.Vergrößern
Bayer-Mitarbeiter Guan Lian Jun und Huang Wei von der Firma Vopak (von links) ­kontrollieren die Lieferpapiere im Shanghai Chemical Industry Park.
„Wir sind überzeugt, dass sich verantwortliches Handeln im Einkauf nicht allein an kurzfristigen wirtschaftlichen, sondern ebenso an langfristig nachhaltigen Prinzipien orientieren muss“, betont Murek. Mit der Bayer-Leitlinie Procurement unterstützt der Bayer-Einkauf deshalb klar die Grundsätze des UN Global Compact, die Werte und Führungsprinzipien des Konzerns sowie die Bayer-Position zum Thema Menschenrechte. Dieses Bekenntnis ist auch in den Leitfaden „Anforderungen an unsere Lieferanten“ integriert, der jederzeit über das Internet abrufbar ist und an die strategischen Top-200-Lieferanten direkt versandt wurde.

Befähigung der Einkäufer

Um die derzeit rund 1.000 Einkaufsmitarbeiter gezielt für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, hat Bayer 2007 eine eigene Informationskampagne für Einkäufer gestartet: In einem persönlichen Schreiben an die Führungskräfte der Beschaffung unterstrichen die Einkaufsleiter die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der täglichen Arbeit. Nachhaltigkeit ist auch ein regelmäßiges Thema des vierteljährlich erscheinenden Procurement Newsletter, der an die gesamte Einkaufsgemeinschaft versendet wird. Seit 2008 hat der Konzern zudem das Thema Nachhaltigkeit im Einkauf als reguläres Element in das globale Seminarkonzept des Einkaufs integriert.

Im Oktober 2007 widmete sich auch das Treffen der Einkaufsleiter der elf Kernländer von Bayer – sie repräsentieren über 80 Prozent des weltweiten Einkaufsvolumens – intensiv der Bedeutung und den steigenden Anforderungen von Nachhaltigkeit im Einkauf. Auf diesen Workshop ist zurückzuführen, dass im Februar 2008 das Thema Nachhaltigkeit auf dem chinesischen Einkaufstag des Konzerns eine wichtige Rolle spielte: Vor rund 100 Einkäufern erläuterten Top-Management-Vertreter in Shanghai die Prinzipien des UN Global Compact und ihre Relevanz für die Vorgehensweisen im Einkauf.

Sensibilisierung der Lieferanten

Um zuverlässige Partnerschaften aufzubauen, pflegt Bayer einen engen Dialog mit seinen Zulieferern. Damit die Lieferanten die Anforderungen besser nachvollziehen können, aber auch, um selbst die Situation der Lieferanten noch besser kennenzulernen, hat der Konzern im vergangenen Jahr das Thema Nachhaltigkeit zum Kernthema seines internationalen Lieferantentags gewählt. Vor mehr als 150 der weltweit wichtigsten Lieferanten des Konzerns, 75 Einkäufern und deren Einkaufsleitern erläuterte Vorstandsmitglied Klaus Kühn das Bayer-Verständnis zur Nachhaltigkeit und forderte die Lieferanten auf, bei dessen Umsetzung aktiv mitzuwirken. Die Feedbackanalyse zeigt, dass die Teilnehmer Nachhaltigkeit eine große Bedeutung zuschreiben und großes Interesse daran haben, das Thema in Zukunft weiter zu vertiefen. Die Beschaffung plant deshalb weitere Dialogveranstaltungen mit ihren Lieferanten und baut den Aspekt „Nachhaltigkeit im Einkauf“ auf der Procurement-Website kontinuierlich aus.

Lieferantenentwicklung

Kooperation und gemeinsames Lernen sind für Bayer wichtige Erfolgsfaktoren für ein nachhaltiges Beschaffungsmanagement. Bei möglichen Verstößen gegen Nachhaltigkeitskriterien prüft der Konzern deshalb zuerst, wie er den Lieferanten darin unterstützen kann, sie besser umzusetzen. Um die Nachhaltigkeitsleistung seiner Lieferanten aus Nicht-OECD-Staaten detailliert zu erfassen, hat Bayer 2007 eine Pilotstudie in Form einer schriftlichen Befragung vorgenommen. Das heterogene Ergebnis dieser Studie bestätigt die bisherige Strategie des Konzerns, mit den einzelnen Zulieferern differenziert an der Weiterentwicklung ihres Nachhaltigkeitsmanagements zu arbeiten.

Ein Beispiel, wie die Auditierung von Lieferanten in Nicht-OECD-Staaten anhand der Hauptkriterien des un Global Compact effektiv umgesetzt werden kann, ist das „Supplier Sustainability Program“ von Bayer Crop­Science in Indien. Auch das Programm gegen Kinderarbeit im Anbau von Baumwollsaatgut, das Bayer Crop­Science seit Jahren mit wachsendem Erfolg in Indien umsetzt, zeigt, wie Nachhaltigkeit gemeinsam mit Lieferanten erreicht und Kinderarbeit konsequent bekämpft werden kann. Denn Bayer toleriert weder Kinderarbeit noch Zwangsarbeit link.

In der Region Asien/Pazifik demonstriert Bayer MaterialScience, wie auch in Nicht-OECD-Ländern zentrale Sicherheitsstandards gewährleistet werden können: Dafür wurde ein Team zur Überwachung der Transport- und Vertriebssicherheit eingerichtet, das in China, Indonesien, Malaysia, Taiwan, Thailand und Singapur alle Transport- und Lagerdienstleister im Abstand von zwei bis drei Jahren auditiert. Zudem führt das Team bei Kunden eine Sicherheitsüberprüfung der Anlagen und ein Training der Mitarbeiter vor der ersten großen Lieferung durch. Und Bayer CropScience hat sein umfassendes HSEQ-Qualifizierungsprogramm für Lieferanten in China im vergangenen Jahr durch Sicherheitsschulungen ergänzt und mit der Ausweitung des Programms auf Indien begonnen.

Procurement Roadmap

Für 2008 plant Bayer, anhand einer detaillierten Analyse einzelner Einkaufsprozesse die Methodik für das Beschaffungsmanagement der operativen Teil­konzerne und Servicegesellschaften weiter auszubauen. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung von Bewertungs-, Kontroll- und Sanktionsmechanismen für den Lieferantenstamm. Denn der Auftrag des Bayer-Konzerns an den Einkauf ist klar: Durch ein intelligentes und wirkungsvolles Beschaffungsmanagement einen Wertbeitrag zum Unternehmen zu leisten.
Prof. Dr. Lutz Kaufmann, WHU - Otto Beisheim School of Management
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Prof. Dr. Lutz Kaufmann, WHU – Otto Beisheim School of Management

Durch das gestiegene Einkaufsbewusstsein der Kunden entstehen ganz neue Märkte. Kein Unternehmen kann es sich heute erlauben, Nachhaltigkeit zu vernachlässigen – schon gar nicht hinsichtlich der Lieferkette. Bei einem nachhaltigen Beschaffungsmanagement geht es zunächst darum, einen klaren Verhaltenskodex für alle Partner zu formulieren und ohne Kompromisse bei der Auswahl und der laufenden Überprüfung der Lieferanten anzuwenden. Das muss aber nicht automatisch heißen, dass ausgeschlossen wird, wer sich nicht hundertprozentig daran hält: Unternehmen sollten im Sinne eines „Supplier Development“ mit den Lieferanten zusammenarbeiten. Unsere internationalen Studien zeigen immer wieder, dass die erfolgreichsten Unternehmen hier wirklich Einsatz zeigen und auch in entfernten Ländern Workshops vor Ort durchführen. Dies ist insbesondere bei der Beschaffung aus Wachstumsmärkten wichtig. Denn viele der Lieferanten verfügen schlicht noch nicht über die gesellschaftlichen, technologischen und organisatorischen Voraussetzungen, um Nachhaltigkeitskriterien umzusetzen.

Ich glaube, dass Bayer sich bereits auf einem sehr guten Weg befindet, z. B. durch die Festlegung rigoroser Mindestanforderungen im Einkauf. Auf dieser Basis sollte nun immer stärker die aktive Weiterentwicklung der Lieferanten in den Vordergrund rücken.
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